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Keiser, Johann Caspar

Johann Caspar Keisers „Kurtzes (...) Rechen-Büchlein“ (1671)
Johann Caspar Keisers „Kurtzes Zur Regula Detri und Practicae gefastes/ doch vollständiges/ und wol gegründetes Rechen-Büchlein“ in der Ausgabe von 1671
Titelblatt (aus dem Exemplar im Besitz der Universitätsbibliothek Augsburg, Sign. 02/VII.2.8.52).
Bildvorlage: Universitätsbibliothek Augsburg (URN: urn:nbn:de:bvb:384-uba007889-7).
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Keiser (auch: Keyser, Keyßer, Kaiser, Kayser), Johann (auch: Hans, Hanß) Caspar (auch: Kaspar). Deutscher Schul-, Schreib- und Rechenmeister. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.~ 26.12.1641 Ffm., Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.▭ 28.9.1674 Ffm.
Sohn des Ffter Bürgers und Sattlers Hanß Conrad K. († spätestens 1662) und dessen Ehefrau Anna Margretha, geb. Ambach, Tochter des Ffter Bürgers und Eisenkramers Antonius Ambach. Verheiratet in erster Ehe (seit 1662) mit Susanna K., geb. Pauli (?-1662), Tochter des Ffter deutschen und französischen Schulmeisters Hanß-Jacob Pauli, eines der zwölf Widmungsadressaten von K.s Rechenbuch. Verheiratet in zweiter Ehe (seit 1663) mit Magdalena K., geb. Reichart (?-1670), Tochter des Ffter Bürgers und deutschen Schul- und Rechenmeisters Jacob Reichart (auch: Reichardt). Verheiratet in dritter Ehe (seit 1670) mit Anna Dorothea K., geb. Neffer, Tochter des Ffter Bürgers und Schlossers Georg Neffer.
Über die Ausbildung K.s ist nichts bekannt. Am 1.8.1662 erhielt K. als Schul- und Rechenmeister das Ffter Bürgerrecht. Seit 1664 bat K.s etwa 50 Jahre älterer Rechenmeisterkollege Johann Georg Büttner den Ffter Rat aus Altersgründen um einen Adjunkten im Amt als Rechneischreiber. Büttner wollte seinen Schwiegersohn Johannes Raab (?-1681) fördern und fürchtete offenbar die Konkurrenz von K., von dem er meinte, dass dieser sein Adjunkt sein bzw. ihn ablösen wolle.
K. veröffentlichte sein Rechenbuch erstmalig 1667 in Ffm. unter dem Titel „Kurtzgefaßte doch Gründliche Arithmetische Practic (…) Sampt einem Cossischen Appendice“ (Drucker Johann Georg Walther).
Die Auflage von 1671 erschien in Ffm. unter dem veränderten Titel „Kurtzes Zur Regula Detri und Practicae gefastes/ doch vollständiges/ und wol gegründetes Rechen-Büchlein“ (Verleger Johann Peter Zubrodt, Drucker Paul Humm). K. nennt in seiner Widmung zwölf Ffter Rechenmeister, darunter: Peter Bittner (1628-?), Sohn von Johann Georg Büttner, Vinzenz Beusser (1637-?), Sohn von Nicolaus Beusser, und Johann Anton Redlich (1645-1715), Sohn von Johann Conrad Redlich, die somit alle drei selbst Söhne von Ffter Rechenmeistern waren; seinen ersten Schwiegervater Johann Jacob Pauli und dessen Sohn Johann Hector Pauli; Balthasar Reichardt, Sohn seines zweiten Schwiegervaters, des deutschen Schul- und Rechenmeisters Jacob Reichardt.
Das gut 100 Seiten umfassende Rechenbuch von K. soll seinem Titel nach auf den Dreisatz (Regula de tri) fokussieren, enthält jedoch nur damals übliche Themen der Kaufmannsmathematik. Nach den Grundrechenarten für unbenannte und benannte Zahlen folgen vier Teile: (1) Aufgaben zum Dreisatz mit verschiedenen Einheiten; (2) Grundrechenarten für Brüche, Resolution (zu kleineren Einheiten), Reduktion (zu größeren Einheiten) mit Aufgaben zum Dreisatz; (3) „Allerhand Rechnungen“ zu Eisen, Fisch, Getreide, Getränken, Mengen und Preisen; (4) Währungen (Leipzig, Nürnberg, Lyon, Venedig, Hamburg, Niederlande, England), Rabatte, Kaufmannsgesellschaften, Subunternehmer (Faktoren), Gewinn und Verlust, Transport (Rechnung über Land), Zins (Interesse), Warentausch (Stich), Edelmetalle, Münzlegierungen (Regula alligationis). Es werden aber keine mathematischen Symbole (Operatoren) und keine Gleichungen mit einer Unbekannten behandelt, also keine Algebra. K. bringt die ansehnliche Zahl von 800 Aufgaben, die sicher für den Verkaufserfolg sorgten. Bei jeder Aufgabe ist das Ergebnis ohne Lösungsweg angegeben. Deshalb war das Rechenbuch nicht zum Selbststudium geeignet, sondern setzte seinerzeit den kostenpflichtigen Unterricht bei einem Rechenmeister voraus.
Ab 1671 beschließt K. sein Rechenbuch mit der Lösung einer Wortrechnungsaufgabe (Buchstabenzahlenrätsel) des Nürnberger Rechenmeisters Sebastian Kurtz (1576-1659), die er schon am Ende des Titels ankündigt: „sampt H[err]n Curtii Sel[igen] künstlichen Wort-Rechnung“. Diese Aufgabe ist in den zugänglichen Auflagen von Kurtz’ hierfür einschlägigen Rechenbüchern nicht auffindbar; woher sie stammt, ist wegen fehlender genauer Angaben nicht nachweisbar. Der Regensburger Rechenmeister Georg Wendler (1619-1688) löste diese Aufgabe in seiner Handschrift „Analysis vel resolutio“ (Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 3789, Bl. 263v-264r).
Nach dem Tod von K. wurde dessen Rechenbuch zunächst von K.s Sohn, dem Ffter Bürger und Weinstecher (Weinmakler) Johann Georg K. (?-1727), und ab spätestens 1766 von einem sonst in den Ffter Kirchenbüchern nicht nachweisbaren Johann Jakob K. fortgesetzt und erlebte 14 Auflagen bis 1816.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Alfred Holl.

Literatur:
                        
Haller, Rudolf/Holl, Alfred (Hg.)/Stry, Yvonne/Groß, Alexander: Anton Neudörffer (Nürnberg 1571-1628 Regensburg) und seine „Grosse Arithmetic“. 2 Bde. Berlin/Münster [2020]. (Regensburger Studien zur Literatur und Kultur des Mittelalters 5).Holl, Alfred: Georg Wendler. In: Haller/Holl (Hg.) u. a.: Anton Neudörffer u. seine „Grosse Arithmetic“ 2020, Bd. 1, S. 75-96. | Hoock, Jochen/Jeannin, Pierre/[ab Bd. 3:] Kaiser, Wolfgang (Hg.): Ars mercatoria. Handbücher und Traktate für den Gebrauch des Kaufmanns / Manuels et traités á l’usage des marchands 1470-1820. Eine analytische Bibliographie. Bisher 3 Bde. Paderborn u. a. 1991/1993/2001.Hoock u. a. (Hg.): Ars mercatoria 2 (1993), S. 272f.
Quellen: ISG, Bestand Bürgerbücher (Best. H.02.17), 1311-1868.Bürgereintrag des Vaters Hanß Conrad Kayser [sic!]: ISG, Bürgerbücher 10 (Altsign.: 9; 1634-56), Bl. 84r (7.12.1640). | ISG, Bestand Bürgerbücher (Best. H.02.17), 1311-1868.ISG, Bürgerbücher 11 (Altsign.: 10; 1657-89), Bl. 88v (1.8.1662). | ISG, Bestand Bürgerbücher (Best. H.02.17), 1311-1868.Bürgereintrag des Sohnes Johann Georg Kayser [sic!]: ISG, Bürgerbücher 12 (Altsign.: 11; 1690-1723), Bl. 58r (17.10.1694). | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848 bzw. 1849-1939.Heiratseintrag der Eltern Hanß-Conrad Keiser und Anna Margretha Ambach, Ffm., 23.11.1640: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch 6 (1635-57), Bl. 155r. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848 bzw. 1849-1939.Eintrag der Heirat mit Susanna Pauli, Ffm., 14.7.1662: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch 8 (1658-77), Bl. 62v. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848 bzw. 1849-1939.Eintrag der Heirat mit Magdalena Reichart, Ffm., 2.6.1663: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch 8 (1658-77), Bl. 74r. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848 bzw. 1849-1939.Eintrag der Heirat mit Anna Dorothea Neffer, Ffm., 20.6.1670: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch 8 (1658-77), Bl. 201r. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848 bzw. 1849-1939.Eintrag der Heirat des Sohnes Johann Georg Kaiser [sic!] mit Anna Barbara Ochs, Ffm., 13.10.1696: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch 10 (1693-1701), S. 280. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848 bzw. 1849-1939.Eintrag der Heirat des Schul- und Rechenmeisters Balthasar Reichhard [sic!] mit Susanna Hirster, Ffm., 23.10.1671: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch 8 (1658-77), Bl. 223v. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848 bzw. 1849-1939.Eintrag der Heirat des deutschen und französischen Schul- und Rechenmeisters Johann Hector Pauli mit Anna Clara Traudt, Ffm., 21.11.1676: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch 8 (1658-77), Bl. 337v. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebücher (Beerdigungs- bzw. Sterbebücher), Ffm., 1565-1850 bzw. 1851-1989.Beerdigungseintrag der ersten Ehefrau Susanna Keiser, begr. am 7.12.1662: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebuch 8 (1657-75), S. 185. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebücher (Beerdigungs- bzw. Sterbebücher), Ffm., 1565-1850 bzw. 1851-1989.Beerdigungseintrag der zweiten Ehefrau Magdalena Kayßer [sic!], begr. am 17.2.1670: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebuch 8 (1657-75), S. 591. | ISG, Bestand Ratssupplikationen (Best. H.02.14), 1601-1810.ISG, Ratssuppl. 1667, Bl. 205f. (Johann Georg Büttner, Gesuch um Adjunction seines Tochtermanns [Johannes Raab], lect. 2.7.1667).

GND: 128609753 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Holl, Alfred: Keiser, Johann Caspar. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/14328

Stand des Artikels: 3.2.2026
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 02.2026.